Kneipe Kolu

Landstraßenkneipe aus dem 19. Jahrhundert

Das an der Landstraße Tallinn-Tartu gestandene Kneipengebäude mit einem Stall wurde in den 1840ger Jahren im Landkreis Harju im Kirchspiel Kose im Dorf Kolu errichtet. Ins Museum wurde die Kneipe 1968 gebracht.

Schon im Mittelalter bauten Gutshöfe an größere Landstraßen Kneipen. Dort wurden die Produkte eigener Brennerei verkauft, den Reisenden wurde Unterkunft und Verpflegung angeboten. Die Bauern hörten von Reisenden Nachrichten, machten Geschäfte, mieteten Mädchen. Die meisten Kneipen wurden 1900 nach der Einführung des staatlichen Schnapsverkaufsmonpols geschlossen.

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1 – Kneipenzimmer, 2 – Herrenstube, 3 – letiruum, 4 – Wohnraum des Schankwirtes, 5 – Mantelschornstein-Küche, 6 – Flur, 7, 8 – Speisekammern, 9 – Stall

Sachverhalt

  • Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der estnischen Provinz – Landkreise Harju, Wierland, Järva und Wiek – etwa 2 Millionen Eimer Schnaps produziert (Eimer = 12,3 l). Etwa die Hälfte wurde nach Russland und ein Teil nach Deutschland exportiert, der Rest wurde aber in örtlichen Kneipen verkauft und getrunken. 

  • Wenn es Ende des 19. Jahrhunderts etwa mehr als 100 Kirchspielkirchen gab, in denen um die Seele gesorgt wurde, dann betrug die Zahl von Kneipen bis zu ca. 2.400. 

  • Auf der Karte Nordestlands vom Jahr 1871 waren an der Landstraße Tallinn (damals Reval)-Narva 52 Kneipen, an der Landstraße Tallinn-Pärnu 18 Kneipen und an der Tallinn-Keila-Haapsalu Landstraße 13 Kneipen markiert.